Spannend und interessant ist der Ansatz, durch den Einsatz von Frameworks wie SAP UI5 ganze Business-Anwendungen im Browser nutzbar zu machen, allemal. Per URL wird SAP Business One dann in Chrome & Co. den Nutzern als Browser-Anwendung zur Verfügung gestellt. Das klingt gleichermaßen trivial und revolutionär. In der Tat ist die Abbildung von Geschäftsprozessen im Browser fortschrittlich – nur trivial ist sie nicht. Denn die Darstellung eines Genehmigungsprozesses oder die graphisch aufbereitete Präsentation von Absatzzahlen auf mobilen Endgeräten ist das Eine, SAP Business One in den Browser zu heben etwas völlig anderes. Und dennoch: SAP hat seine Business Software auf diese Weise nutzbar gemacht.

Service für die Kommunikation mit SAP Business One notwendig

Um mit der SAP-Datenbank kommunizieren zu können, wird ein Browser-Access-Service benötigt, der als Mittler zwischen Browser und Datenbank Anfragen entgegennimmt und Daten liefert. SAP empfiehlt, einen Reverse Proxy einzurichten und mit einem Sicherheitszertifikat auszustatten, um die Kommunikation abzusichern. Die Kommunikation erfolgt dann über das https-Protokoll. Solche Zertifikate sind bereits für einen geringen zweistelligen Betrag zu haben. Einen weitaus höheren finanziellen Aufwand bringt die Empfehlung mit sich, den Browser-Access-Service aufgrund des in der Summe deutlich höheren Ressourcenverbrauchs nicht auf dem MS-SQL-Server des SAP-Systems zu betreiben. Der Empfehlung Folge leistend, muss in diesem Realisierungsszenario in neue Hardware investiert und ein neuer Server nebst Software-Lizenzen beschafft werden. Die Hersteller-Empfehlung außer Acht gelassen, könnte in einem weiteren Szenario der vorhandene MS-SQL-Server auch den notwendigen Service für die Kommunikation mit SAP Business One bereitstellen. Der Charme dieser Variante liegt auf der Hand. Die Business- und IT-Budgets werden deutlich weniger belastet. Auf der Software-Seite entfallen neue Server-Lizenz-Kosten vollständig. Positiv fällt im Vergleich der beiden Szenarien auch die Bilanz auf der Hardware-Seite aus: Aufrüsten schlägt mit deutlich geringeren Aufwendungen zu Buche als die Neuanschaffung. Der Vollständigkeit halber sei am Rande erwähnt, dass dieser Vergleich darauf fußt, dass sich die Lebensdauer der Hardware durch eine stärkere Nutzung nicht ändert. Diese ist neben anderen Faktoren auch von der Temperatur der einzelnen Bestandteile abhängig. 

Zweckmäßigkeit entscheidend für die Art der Nutzung von SAP Business One

Durch die Möglichkeit, per Firefox, Chrome oder Internet Explorer auf SAP Business One zuzugreifen, gibt es den SAP-Arbeitsplatz nun quasi aus der Telefondose oder über das mobile Internet. Sinnvoll erscheint der Einsatz in jenen Unternehmen, die verschiedene Standorte haben oder viele dezentralisiert organisierte Arbeitsplätze aufweisen sowie Home-Office-Jobs bieten, bei denen ein Zugriff auf das SAP-System notwendig ist. In jedem Fall gibt SAP den Unternehmen mit dem Browserzugriff eine Lösung an die Hand, um den Wünschen und Bedürfnissen der Generation Y nach flexiblen und ortsunabhängigen Arbeitsplätzen zu entsprechen. Vielleicht ist das Schaffen solcher Jobangebote im Kampf um die besten Köpfe das sprichwörtliche Zünglein an der Waage. Fest steht jedoch, dass der browserbasierte Zugriff auf SAP Business One und die daraus resultierenden flexiblen Arbeitsplatz-Modelle feste Regeln für das tägliche Business benötigen. Einerseits ist das Vertrauen der Unternehmen und Arbeitgeber notwendig. Auf der Arbeitnehmerseite sind Selbstdisziplin und regelkonformes Verhalten erforderlich, um mit dieser „Freiheit“ umzugehen. 

IT-Security im Vordergrund beim Browser-Zugriff auf SAP Business One

Reguliert werden muss der ortsunabhängige Zugriff auf SAP Business One auch mit Blick auf die IT-Sicherheit. Eine HP-Studie aus dem Jahr 2013 taxierte die Kosten für einen Systemausfall im gehobenen Mittelstand mit rund 25.000 Euro pro Stunde. Legt man nun noch den Wunsch nach BOYD (bring your own device) der Generation Y in die Waagschale, so gerät der ortsunabhängige Zugriff schnell zum IT-Security-technischen Albtraum der Business- und IT-Verantwortlichen. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. In Zeiten, in denen Viren- und Trojaner-Baukästen im Web erhältlich sind, drängt sich abschließend folgende Frage auf: Wer zahlt die Zeche, wenn alle Regeln eingehalten wurden, jeder nach bestem Wissen und Gewissen agiert und SAP Business One dennoch ausfällt? Spätestens dann gilt die alte chinesische Weisheit, nicht die Schuldfrage zu klären, sondern das Problem zu lösen.