Reinhard Oborski , Geschäftsführer des Erftstädter SAP-Partner bob Systemlösungen, hat in die Zukunft der Handels-IT geblickt und dabei einige Thesen, Anforderungen und Entwicklungen ableiten können:

1. ERP als Informationsverwalter: Werden die ERP-Lösungen derzeit mehr vor dem prozessoptimierenden Hintergrund betrachtet, so wird dies künftig von einer informationsdominierten Sichtweise mit prozessualem Gedanken abgelöst. Künftig wird gelten, die richtigen Informationen zur rechten Zeit am richtigen Ort zur Verfügung zu stellen.

2. In-Memory-Ansatz: Die Entwicklung hin zu der informationsorientierten Betrachtungsweise der künftigen Systeme wird durch Verbreitung der In-Memory-Technologie erst ermöglicht und verstärkt. Dadurch sind Systeme in der Lage, eine Verwaltung von großen Informationsmengen in kürzester Zeit zu realisieren. Trotz aller Vorteile für den Handel: Den großen „Run“ wird es kaum geben. Vielmehr ist zu erwarten, dass diese Technologie im Zuge eines gänzlichen Systemwechsels oder im Rahmen eines Konsolidierungsprojektes Einzug in den Handelsunternehmen halten wird. Denkbar ist, dass die Anbieter darauf mit entsprechenden Datenbank-only-Angeboten reagieren werden.

3. Kannibalisierung der BI-Lösungen: unruhiger werden die Zeiten für die Anbieter von BI- und Analyse-Lösungen. Gerade im Handel sind Analyse-Standards notwendig, die durch entsprechende Hardware  und BI-Software geleistet werden. Diese werden in den kommenden Jahren in die ERP-Branchenlösungen überführt, da In-Memory-Lösungen die erforderliche Rechenleistung und Geschwindigkeit besitzen werden. Dies eröffnet neue Wege, die IT-Kosten zu senken und die Systeme weiter zu konsolidieren.

4. Kassensysteme als Informationslieferant: stärker als bisher wird den Kassensystemen am Point of Sales die Rolle des Informationsbeschaffers zu Teil. Die Möglichkeiten der Datenerfassung und -weitergabe sind schier unbegrenzt. Eine zunehmende kritische Einstellung der älteren Verbraucher bei der Datenerfassung verhindert jedoch ein vollständiges Ausreizen der Möglichkeiten. Die Generation Facebook zeigt sich jedoch deutlich weniger sensibel.

5. Siegeszug mobiler Endgeräte: die fortschreitende Verbreitung von Tablets und Smartphones lässt neue Bezahlformen entstehen und ermöglicht dem Einzelhandel neue Chancen am Point of Sales. Es müssen intelligente Konzepte erarbeitet werden, um diesen Trend in die bestehende Systemlandschaft zu integrieren und optimal für sich zu nutzen – Wettbewerbsvorteile inklusive.